Marokko – Berge, Pässe, Höhen und Tiefen


25.4.2011 Ait Benhaddou

Eine kleine Ausgabe der Rasse Hund liegt unter unserem Bus. Er hat sich trotz aller Warnungen von Hannibal dazu erdreistet, dort niederzulassen. Der Bus spendet ihm kühlen Schatten an diesem heißen Tag. Es ist außerordentlich beeindruckend hier. Man kann sich der Schönheit dieses Ortes einfach nicht entziehen. Eine von der Unesco geschützte Kasbah liegt auf der anderen Seite des Flusses, umgeben von Palmen und Gärten. Dahinter weite Steinwüste, die sich über die Hänge zu den mit frisch gefallenem Schnee bedeckten Berggipfeln hochzieht. Beschreibungen, die nichts als Hüllen sind. Nicht in der Lage, das wiederzugeben, was wirklich vorhanden ist. Am Morgen fuhren wir weiter in Richtung Ouarzazate, dass Hollywood oder Babelsberg von Marokko. Alle möglichen Filme wurden hier schon gedreht…Gladiator, Das Königreich der Himmel, Babel, Star Wars, sämtliche Bibelverfilmungen. Mit seiner abwechslungsreichen Landschaft und seiner offenen Einstellung ist Marokko ein idealer Drehplatz für die Filmindustrie. Oft genug hat man das Gefühl, sich tatsächlich in einem Film zu befinden, da man die Szenerie bisher nur aus dem kleinen schwarzen Kasten kannte. Nur ist sie jetzt greifbar nah. Ouarzazate ist eine Stadt mit Geld. Man sieht es ihr sofort an. Es ist ein ruhiger sonniger Morgen. Alles erwacht gerade zum Leben. Wir halten an einem kleinen Filmmuseum und statten ihm einen Besuch ab. Requisiten aus sämtlichen Bibelverfilmungen offenbaren sich uns, ganze Räume aus Pappe und Holz. Sie wirken vollkommen echt. Man hat das Gefühl, sich tatsächlich in einem Kerker aus kaltem Stein zu befinden oder in einem Thronsaal mit marmornen Säulen. Alles nur Täuschung. Wenn man gegen die Wände klopft, enttarnt man das Schauspiel. Man bekommt tatsächlich Lust, sich selbst Geschichten auszudenken und sie hier Wirklichkeit werden zu lassen. Es ist kein besonderes Museum, aber es spielt mit unserer Fantasie und das macht Spaß. Als wir das Museum verlassen, entdecken wir einen selbsternannten Parkwächter, der fleißig die Parkenden abkassiert. Wir sehen nicht ein, jemanden zu bezahlen, der noch überhaupt nicht da war, als wir dort ankamen. Ein anderes Tourismusauto fährt einfach davon ohne den Mann zu bezahlen. Wir entschließen uns, dem Folge zu leisten. Als der Parkwächter von einem anderen Auto abgelenkt ist, rennen wir zum Bus und düsen davon. Wedelnd rennt er hinter uns her. Wir geben Gas und sind (im Film würde man jetzt quietschende Reifen hören) verschwunden. Haltet uns nicht für geizig. Aber wenn jemand Geld für das Bewachen eines Autos haben möchte, dann sollte er auch von Anfang an da sein. Die kleinen aufwallenden Schuldgefühle verdrängen wir schnell. Wir passieren die Filmstudios von Ouarzazate, denen wir ursprünglich einen Besuch abstatten wollten. Nach dem Museum und unserer Flucht entscheiden wir uns dagegen. Das waren fürs erste genug Eindrücke. Ein paar Kilometer weiter entdecken wir ein Filmset auf der anderen Straßenseite. Wohnwägen, Pferde, Menschen mit Kameras…welchen Film sie wohl dort gerade drehen? Ich wäre gern einmal Statist, nur der Erfahrung wegen. Wir fahren weiter Richtung Ait Benhaddou. Unterwegs sehen wir eine Radgruppe, die wir schon öfters auf unserer Tour überholt haben. Jedes Mal haben wir uns zugewunken. Und nun machen zwei Männer Gesten zum Anhalten. Man glaubt es kaum…es sind zwei Vogtländer aus Plauen. Die Welt wird in meinem Kopf immer kleiner. Wir tauschen kurz unsere jeweiligen Reiseinfos aus und wünschen Gute Weiterfahrt. In Ait Benhaddou angekommen, entscheiden wir uns schnell für einen der Campingplätze und begeben uns in die als Kulturerbe deklarierte Kasbah. So eine Kasbah zu schützen ist ziemlich aufwendig, denn der Stampflehm ist nicht gerade ein Baustoff für Jahrtausende. Wenn es viel regnet, saugt er sich voll und wenn er dann trocknet, bekommt er Risse, in denen wieder Wasser eindringen kann usw. …so lange bis die strukturelle Integrität gefährdet ist. Kurz gesagt, wenn man hinten fertig ist, kann man vorne wieder anfangen zu restaurieren. Und so machen sich ein dutzend Bauarbeiter gerade darüber, das Haupttor in Ordnung zu bringen. Die Liste der Filme, die diesen Ort als Schauplatz erkoren haben, liest sich wie die eines Videoverleihs: Die letzte Versuchung Christi, Kundun, Die Mumie, Gladiator, Alexander, Prince of Persia. Wir laufen eine Gasse entlang und siehe da, wieder einmal die Potsdamer, die gerade aus der Kasbah geschlendert kommen. Die Freude ist groß und verziehen uns in den Schatten, um die neuesten Neuigkeiten seit unserem letzten Treffen auszutauschen. Sie wollen weiter Richtung Marrakesch und wir sagen ‚bis bald‘, wissen aber noch nicht, dass es dieses Mal das letzte Mal sein wird. So machen wir uns auf das kulturelle Erbe zu erkunden. Es ist heiß, viele Treppen sind zu erklimmen und der Grad an Tourismus ist auch recht hoch. Überall bieten Händler ihre bunte Ware feil, unter anderem wunderschöne Bilder. Oben angekommen, ist der Ausblick überragend, weit schweift der Blick in die Wüste, die eher Ähnlichkeit mit einer Mondlandschaft hat. Ein Händler will aus Spaß Hannibal gegen etwas von ihm eintauschen, was wir aber lächelnd verneinen. Oder vielleicht ist es ihm doch ernst? Wenn der wüsste, dass Hannibal trotz gelegentlichem Hinken und Humpeln unbezahlbar ist!

26.4.2011 – Tizi n`Tichka Pass

Es ist ein Fahrtag. Wir wollen den Tizi n‘ Tichka Pass im Atlas Richtung Marrakesch überqueren. Es ist eine Fahrt, die sich unweigerlich in unser Gedächtnis einbrennt. Majestätisch ist das einzige Wort, welches nur annähernd das Bild des Bergmassivs beschreiben kann. Schneebedeckt die Gipfel, grau die Felsen, grün die Täler, rot die Hänge. Windende Straßen, die durch kleine Bergdörfer führen. Frauen, die im Fluss ihre Wäsche waschen. Straßenhändler, die ihre rot leuchtenden Bergkristalle an den Mann bringen wollen. Sie winken ganz aufgeregt, wenn sich unser Bus nähert.Wir schütteln dann immer die Köpfe, meistens gefolgt von einem bedauernd lächelnden Verkäufer. Wo sie diese glitzernden Steine wohl gefunden haben? Sie sehen wunderschön aus, wie Schätze, Gemmen tief aus dem Inneren der Berge. Wir schrauben uns bis zu einer Höhe von 2000 Metern hinauf. Der Blick nach unten und in die Ferne reicht weit. Berauschend schnell und kurvig geht es dann wieder bergab. Hier werden die Fahrkünste von Julien wieder einmal gefordert. Er meistert es bravourös. Trotzdem zieht sich die Fahrt lange hin und wir gelangen erschöpft zum exklusivsten Campingplatz Marokkos. 230 DH inkl. eine Stunde Wifi, zwei Kaffee und Poolbenutzung. Die spinnen die holländischen Inhaber. Einzig der Durst nach Ruhe verführt uns zu dieser immensen Ausgabe. Ein Luxus, den wir uns nur einmal leisten. Die Anlage erinnert an einen teuren Club. Alles vom Feinsten. Selbst auf der Toilette ertönt beruhigende Musik und die sonnenbadenden Poolgäste bekommen zur Abkühlung feuchte Tücher. Das ist zu viel für uns. Wir ziehen uns in den Bus und seine Einfachheit zurück.

27.4.2011 – Marrakesch, Campingplatz, Tisch am Pool (Juliens Bericht)

Wow, das ist also Marrakesch. Grell, bunt, laut, eng, stickig, heiß, windig und voller Menschen. Der Souk und die Medina gleichen denen in Tetouan, nur sind sie nicht ganz so dreckig. Die Marokkaner nicht so aufdringlich sich als Führer anbietend. Aber alles wirkt zu großen Teilen inszeniert. Kein Wunder bei den Heerscharen von Touristen, die die Stadt heimsuchen wie die biblische Heuschreckenplage. Wir lassen uns treiben, über den großen bekannten Djemaa el fna, der zentrale Marktplatz Marrakeschs, der sich am Abend laut Reiseführer in wildes Treiben verwandelt, voll mit Essensbuden, Gauklern und Musikern. Jetzt sind hier nur wenige Buden, die getrocknete Früchte feilbieten und ein paar Frauen hocken auf ihren Schemeln und bemalen die Hände ihrer Kundinnen mit Henna. Die Unesco hat für diesen Ort eine eigene Kategorie geschaffen – „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“. Wir treiben weiter durch die weitverzweigten, zum Teil überdachten Souks. Vollgestopfte, bunte Läden – überfüllt mit Waren jeglicher Art. Das Auge schafft es kaum, einzelne Gegenstände daraus zu filtrieren und näher zu betrachten. Der Gesamteindruck überfordert das Gehirn. Wir verlieren uns in den Straßen Marrakeschs. Folgen ihnen mit unserem verführten Orientierungssinn. Straßen werden zu Gassen und manchmal auch zu Sackgassen. Keine Touristen mehr um uns herum. Wir kommen vorbei an den verschiedenen Handwerken. Holzbearbeitung – schöne Möbelstücke werden hier noch eigenhändig erschaffen. Man kann den Tischlern dabei zusehen. Es riecht nach gesägtem Holz. Erinnert an früher. Wir laufen und es ist heiß. Kinder wollen uns gegen etwas Geld den Weg weisen. Da ist es wieder, das Misstrauen. Mit Hilfe eines Polizisten, der uns die Richtung weißt, finden wir unseren Parkplatz wieder. Die Stadt mit ihren Geräuschen und Gerüchen hat uns überfordert und uns Kopfschmerzen verschafft. Der Stresspegel ist einfach zu hoch. Es ist traurig, aber der einzige Grund, noch länger inmitten der Stadt zu verweilen, wäre in den riesigen Gärten umher zu schlendern, Tee zu trinken und umher zuschauen. Aber der Hund darf leider nicht mit hinein. So bleibt der stärkste Eindruck von dem kleinen Cafe Montreal aus die Leute zu beobachten, die Einheimischen, die Touristen, die Zigarettenverkäufer, die unablässig mit ihrem Kleingeld klimpern (quasi als Erkennungsmelodie), die Schuhputzer und Hutverkäufer, die bettelnden Alten und Frauen mit ihren Kindern. Eines ist allerdings sehr gut gelaufen – niemand hat von mir Geld bekommen, für etwas, das ich nicht wollte. Scheinbar haben wir doch ein wenig dazu gelernt. Der Verkehr in Marrakesch ist die Hölle. Aber Höllen sind dazu da, durchwandert zu werden, wie einst Dante mit seinem Vergil in der Komödie. Es ist auch nicht möglich diese Flut von Informationen in Echtzeit angemessen zu verarbeiten. So schützt sich das Gehirn mit Hilfe eines Tunnelblicks und lässt die Informationen in der Peripherie einfach verschwimmen. Eigentlich wollte ich Obst, Gemüse, Eier und marokkanisches Backwerk erwerben, aber letztlich glaube ich, dass alles in Marrakesch überteuert ist und so warte ich auf die nächste Gelegenheit. Das Hähnchen mit Reis, Salat und Brot von heute war allerdings gigantisch. Das erste wahre Fleisch seit zwei Wochen. Wir suchen uns einen anderen Campingplatz außerhalb von Marrakesch, weniger luxuriös, günstiger und angenehmer. Ein Ort zum Durchatmen.

28.4.2011 Hoher Atlas (Juliens Bericht)

Wir erwachen auf dem Campingplatz Relais de Marrakesch und machen uns frühzeitig auf den Weg in die Berge. Genug der Stadt. Die Natur ruft. Die Fahrt führt uns allerdings zuvor wieder durch die Stadt und ihren Höllenverkehr. Ein weiterer Reifen entpuppt sich bei der Überprüfung des Reifendrucks als durchlöchert. Zum Glück gibt es neben jeder Tankstelle einen Reifenspezialisten. Diesmal verläuft die Reparatur noch schneller auf Grund eines Spezialklebers und einer Art Dichtungspfropfen. In weniger als 10 Minuten sind wir wieder fahrbereit. Absolut dicht. Der Reparateur gibt lebenslange Garantie darauf. Wir fahren weiter nach Asni, ein kleiner Ort, von dem aus der Weg in Richtung Toubkal abzweigt. Der Toubkal ist mit 4000 Metern der höchste Berg des Hohen Atlas und Nordafrikas. Wir halten kurz, um uns mit Gemüse, Obst und Brot einzudecken. Kaum das wir stehen, sind schon wieder die ersten Männer an unserem Busfenster und wollen Touren und Karten zum Toubkal verkaufen. Für eine billige Farbkopie will der Gute 120 DH (ca. 11 €). Wir halten uns an den Ratschlag von Nao und lehnen freundlich ab. Es wirkt. In einem Straßencafé genehmigen wir uns einen Tee mit einem leckeren Stück Kuchen dazu. Es folgt die Fahrt nach Imlil. Gleich am Ortseingang warten Guides und Packesel auf die wanderwütigen Touristen. Es ist ein kleiner Ort. Eine enge Straße führt zwischen Läden und Pensionen bergan. Dahinter erheben sich die hohen schneebedeckten Berge. Kaum zu glauben, dass wir hier wirklich entlang fahren. Mangels eines geeigneten Stellplatzes folgen wir weiter der Straße (Umkehren ausgeschlossen), halten aber verunsichert an, da der Weg immer enger und steiler wird. Etwas weiter oben soll es einen Campingplatz geben. Susi steigt aus und läuft die Strecke ab, um die Lage auszuchecken. Die Einfahrt ist nur für kleinere Fahrzeuge geeignet. Laut Reiseführer soll es noch in Arumd einen kleinen Platz geben, allerdings ist der Weg nur für geländegängige Fahrzeuge geeignet. Unschlüssig, was wir nun tun sollen, stehen wir herum. Ein Guide, der gerade seine Wandersleute zurückbringt, versichert uns aber, dass es in Arumd diesen Stellplatz gibt und das man mit unserem Bus die Strecke ohne weiteres fahren kann. Also wagen wir es. Mir fehlen die Worte es genau zu beschreiben, aber ich glaube, eine Überdosis an ausgeschüttetem Adrenalin ist Beschreibung genug. Eine Fahrt wie auf dem Rand einer Konservendose wäre ein passender Vergleich. Keine Ausweichmöglichkeit. Zum Glück kommt uns niemand entgegen. Das Herz schlägt bis zum Hals. Es ist eine Fahrt ins Ungewisse, neben uns der steile Abhang. Wie weit geht die Strecke noch? Ist sie für uns bis zum Ende passierbar? Was machen wir, wenn wir umdrehen müssen oder uns jemand entgegen kommt? Wir vertrauen darauf, dass alles gut gehen wird. Nach Bangen und Zittern erreichen wir wieder ein paar Häuser. Wir entdecken ein Schild mit der Aufschrift „Camping“. Ein Mann öffnet uns das Tor und mit viel Kurbelei beziehen wir Stellung auf dem 7×7 Meter großen Platz. Wir sind nicht allein. Es gibt noch ein Zelt. Deren Inhaber ist ein nettes Paar aus Manchester, die mit ihren Fahrrädern unterwegs sind. Ruhigeren Herzschlages unternehmen wir eine erste Wanderung. Das Tal wird von einem steinigen Flussbett durchzogen. An einer schmalen Stelle kann man ihn auf größeren Steinen überqueren. Auf der anderen Seite des Flusses schmiegt sich Arumd an den Berg. Ein Dorf inmitten der wilden Bergwelt. Wunderschön anzusehen. Wir folgen dem ausgetretenem Pfad. Immer wieder kommen uns bepackte Esel, deren Führer und Touristen entgegen. Die Landschaft ist atemberaubend. Faszination Bergwelt. Zurück an unserem Campingplatz bestellen wir uns eine waschechte Tajine – Zubereitungszeit 1 ½ Stunden. Hungrig warten wir auf das Kochergebnis. Gegen 19.30 Uhr ist es dann endlich soweit. In einem kleinem Raum mit Steinbänken erhalten wir unser köstliches, heiß dampfendes Mahl, dazu einen zuckersüßen Tee. Lecker. Draußen ist es mittlerweile empfindlich kalt geworden. So laden wir am Abend das Paar aus Manchester zu uns in den Bus ein. Es gibt Tee, Datteln und interessante Gespräche. Das Ende eines guten, extrem adrenalinreichen Tages.

29.4.2011 Arumd – am Fuß des Toubkal (Juliens Bericht)

Es ist ein seltsamer Morgen. Susis Mutter holt mich um 5.30 Uhr mit einer SMS aus dem Reich der Träume. Eine Explosion in einem belebten Cafe am Djemma el Fna in Marrakesch tötete am gestrigen Tag 14 Menschen, Touristen und auch Einheimische. Mein tiefstes Mitgefühl. 24 Stunden zuvor befanden wir uns auf demselben Platz. Wie macht man weiter? Fährt man sofort zurück, verlässt dieses so schöne, abwechslungsreiche Land aus Angst? Lässt man sich den Willen von ein paar Unterdrückern aufzwingen? Wir haben uns dagegen entschieden, denn eine Flucht wäre genau das, was sie erreichen wollen. Wir bleiben. Es gibt keine 100%ige Sicherheit und die wollen wir auch gar nicht. Das Leben ist ein einziges Risiko und endet definitiv mit dem Tod. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl zurück. Es ist die Nähe solcher Geschehnisse. Laufen reinigt den Geist, also machen wir uns erneut auf den Pfad in Richtung Toubkal. Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Während Eselabteilungen das Gepäck für die Bergsteiger zum Basiscamp auf 3000 Meter hinauf schaffen, fällt Regen, der sich weiter oben in Schnee, Graupel und Hagel verwandelt. Das herrliche Panorama versteckt sich hinter Wolken. Eingehüllt von weißen kaltem Dampf laufen wir weiter. Vorbei an den Imbiss- und Souvenirbuden und am Heiligtum der Muslime, wo Djinnbesessene zur Befreiung bzw. Heilung aufgenommen werden. Es ist der erste und einzige Schnee, den ich seit langem zu Gesicht bekomme. Ein guter Grund für eine kleine Schneeballschlacht. Dann für einen kurzen Moment, als hätte jemand unsere leisen Wünsche vernommen, lichtet sich die Wolkendecke und im strahlensten Weiß erstrahlt der Gipfel des Toubkal, schneebedeckt, majestätisch. Doch schnell wandern die Wolken und ziehen sich zu einer geschlossenen Decke wieder zusammen. Deswegen und wegen des Alters von Hannibal ist für uns bei 2500 Metern Schluss. Doch die Bilder, die entstehen wenn Wolken sich in die Felsklamm schmiegen, Krähen durch Nebel schneiden, Wasser unsichtbar rauschend im Tal von seiner Existenz kündet, waren alle Strapazen wert. Wir kehren um. Durchgefroren und durchnässt erreichen wir den Schutz unseres Busses.

 

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